Geltungsbereich

Hier geht es uns um den Ausbau, insbesondere um neue Reaktoren in Europa und Nordamerika. Wir behaupten weder, dass Kernenergie CO₂-intensiv ist, noch, dass jeder bestehende Reaktor jetzt abgeschaltet werden sollte. Weiterbetrieb und Laufzeitverlängerungen müssen jeweils im Einzelfall geprüft werden.

Was für Kernenergie spricht

Kernenergie hat echte Vorteile, die in einer fairen Bewertung berücksichtigt werden müssen.

Diese Vorteile bestreiten wir nicht. Unsere Frage ist, ob sie bei einem konkreten Neubau die Bauzeit, das Finanzierungsrisiko und die langfristigen Verpflichtungen überwiegen und besser abschneiden als realistische Alternativen.

  • Ihre Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus sind niedrig.
  • Reaktoren liefern weitgehend wetterunabhängig Strom und erreichen häufig eine hohe jährliche Verfügbarkeit.
  • Ihr Flächenbedarf ist im Verhältnis zur erzeugten Strommenge vergleichsweise gering.
  • Uran ist kompakt und lässt sich leichter bevorraten als Erdgas.

Wann Kernenergie sinnvoll sein kann

Kernenergie kann eine vernünftige Entscheidung sein, wenn die Bedingungen am konkreten Standort stimmen.

  1. Eine sichere Bestandsanlage kann zu vertretbaren Kosten weiterbetrieben werden.

  2. Ein Land baut wiederholt denselben erprobten Entwurf und verfügt über Fachkräfte, Lieferanten und eine erfahrene Aufsicht.

  3. Ein unabhängiger Systemvergleich zeigt, dass der Reaktor das gesetzte Klimaziel rechtzeitig und zu konkurrenzfähigen Gesamtkosten erreicht.

  4. Finanzierung, Haftung, Brennstoffversorgung, Rückbau und Abfallentsorgung sind für die gesamte Laufzeit nachvollziehbar geregelt.

Das vollständige Argumentedossier

Im Mittelpunkt stehen Bauzeit und Finanzierung. Die weiteren Karten behandeln Systemfragen, langfristige Pflichten und zusätzliche Risiken.

  1. Kernargument Kosten

    Bei neuen Reaktoren tragen Steuerzahler und Investoren das Risiko

    Neue große Reaktoren erfordern enorme Anfangsinvestitionen. Danach fallen jahrelang Finanzierungskosten an, bevor erstmals Strom verkauft wird. Laut IPCC dauerten Erstprojekte neuer Bauarten in Nordamerika und Europa mehr als 13 Jahre und kosteten das Drei- bis Vierfache ihres ursprünglichen Budgets.

    Moderne Reaktoren können technisch Laständerungen folgen. Die OECD/NEA bezeichnet einen gleichmäßigen Grundlastbetrieb dennoch als wirtschaftlichsten Betriebsmodus: Bei gedrosselter Leistung sinken die Stromerlöse, während Finanzierung und die meisten Fixkosten weiterlaufen.

    Warum dies für Neubauten relevant ist

    Wenn die Mittel für den Klimaschutz begrenzt sind, sollten Projekte mit verlässlicheren Kosten und Fertigstellungsterminen Vorrang haben.

    Was zu berücksichtigen ist

    Bestehende Reaktoren sind gesondert zu betrachten und können wirtschaftlich wettbewerbsfähig sein. Auch die Bilanz bei Neubauten unterscheidet sich je nach Region. Standardisierte Projekte in Ostasien wurden schneller fertiggestellt. Kostenüberschreitungen sind also nicht unvermeidlich. Ein flexibler Reaktorbetrieb ist technisch möglich und kann das Netz unterstützen.

    Quellen (4)
    1. IPCC AR6 WGIII, Chapter 6: Energy Systems Abschnitt 6.4.2.4 behandelt Bauzeiten, Kosten- und Terminüberschreitungen, Anfangsinvestitionen und regionale Gegenbeispiele.
    2. IEA, The Path to a New Era for Nuclear Energy (2025) Die Zusammenfassung behandelt Finanzierung, Umsetzungsrisiken, die Konzentration im Brennstoffkreislauf und an Bedingungen geknüpfte SMR-Szenarien.
    3. IEA, Nuclear Power and Secure Energy Transitions (2022) Die Zusammenfassung bewertet die Wirtschaftlichkeit von Laufzeitverlängerungen bestehender Reaktoren getrennt von Neubauten.
    4. OECD/NEA, Technical and Economic Aspects of Load Following with Nuclear Power Plants (2021) Zusammenfassung und Bericht erläutern den Lastfolgebetrieb und warum gleichmäßiger Grundlastbetrieb am einfachsten und wirtschaftlichsten bleibt.
  2. Kernargument Bauzeit

    Die Bauzeit ist für den Klimaschutz entscheidend

    Ein Reaktor vermeidet erst dann Emissionen, wenn er Strom ins Netz einspeist. Der IPCC nennt für viele neuere Bauprojekte in Ostasien fünf bis sechs Jahre, für Erstprojekte neuer Bauarten in Nordamerika und Europa dagegen mehr als 13 Jahre.

    Die Umsetzung hängt außerdem von spezialisierten Fachkräften und Lieferanten ab, die sich nicht über Nacht vermehren lassen. In der IEA-Umfrage von 2025 meldete mehr als die Hälfte der Energieorganisationen kritische Engpässe bei der Personalsuche. In der Kerntechnik kamen auf jeden jungen Berufseinsteiger 1,7 Beschäftigte kurz vor dem Ruhestand.

    Warum dies für Neubauten relevant ist

    Wenn sich bewährte saubere Stromerzeugung schneller errichten lässt, tragen neue Kernkraftwerke kurzfristig weniger zur Emissionssenkung bei.

    Was zu berücksichtigen ist

    Ein standardisiertes Kernenergieprogramm mit etablierter Lieferkette könnte langfristig dennoch einen Beitrag leisten. Es geht uns darum, was zuerst gebaut werden sollte, nicht darum, ob ein Reaktor über seine gesamte Lebensdauer einen Nutzen hat.

    Quellen (3)
    1. IPCC AR6 WGIII, Chapter 6: Energy Systems Abschnitt 6.4.2.4 behandelt Bauzeiten, Kosten- und Terminüberschreitungen, Anfangsinvestitionen und regionale Gegenbeispiele.
    2. IEA, The Path to a New Era for Nuclear Energy (2025) Die Zusammenfassung behandelt Finanzierung, Umsetzungsrisiken, die Konzentration im Brennstoffkreislauf und an Bedingungen geknüpfte SMR-Szenarien.
    3. IEA, World Energy Employment 2025, Executive Summary Die Zusammenfassung nennt Einstellungsengpässe, fehlende Fachkräfte in der Kerntechnik und das Verhältnis von 1,7 Beschäftigten kurz vor dem Ruhestand zu einem jungen Berufseinsteiger.
  3. Entscheidungsfaktor Zuverlässigkeit

    In Kernkraftwerksflotten können mehrere Reaktoren gleichzeitig ausfallen

    Reaktoren erreichen über das Jahr oft eine hohe Verfügbarkeit. Gegen Fehler mit gemeinsamer Ursache sind sie aber nicht gefeit. 2022 sank die durchschnittliche Verfügbarkeit des französischen Reaktorparks durch Prüfungen auf Spannungsrisskorrosion, Reparaturen und einen Wartungsstau auf 54 %, gegenüber 73 % in den Jahren 2015–2019.

    Hitze führte im Juni und Juli 2026 zu einer anderen gemeinsamen Einschränkung. Grenzwerte für die Erwärmung von Flüssen und für Wärmeeinleitungen machten französische Reaktoren an Flüssen vollständig oder teilweise unverfügbar. RTE ermittelte Ende Juni einen effektiven Verfügbarkeitsverlust von bis zu etwa 8 GW und um die Julimitte von etwa 9 GW.

    Warum dies für Neubauten relevant ist

    Ein Stromnetz mit vielen ähnlichen Großreaktoren benötigt ausreichende Reserven, Verbindungsleitungen und Ersatzkapazitäten, um seltene, aber umfangreiche Ausfälle aufzufangen.

    Was zu berücksichtigen ist

    Frankreich hielt die Stromversorgung 2022 aufrecht, und der Reaktorpark erholte sich. RTE nennt für 2025 eine Verfügbarkeit von 74,0 % und eine Kernenergieproduktion von 373,0 TWh, nahe dem Niveau vor der Krise. Laut RTE blieb der hitzebedingte Produktionsverlust 2026 im Verhältnis zur Gesamtproduktion des Reaktorparks begrenzt. Frankreich verfügte weiterhin über positive Leistungsreserven. Wie stark ein Standort betroffen ist, hängt auch vom Kühlsystem ab.

    Quellen (3)
    1. RTE, French Annual Electricity Review 2025 Der Abschnitt zur Kernenergie nennt 54 % Verfügbarkeit im Jahr 2022, 74,0 % im Jahr 2025, eine Produktion von 373,0 TWh im Jahr 2025 sowie Ursachen und Folgen für das Stromsystem.
    2. RTE, First-Half 2026 Electricity System Review PDF, S. 22–23, im Anschluss an Abbildung 10: hitzebedingter Verlust der effektiven Verfügbarkeit von Kernkraftwerken im Juni und Juli, Grenzwerte für Wärmeeinleitungen und Systemreserven.
    3. IAEA PRIS, World Trend in Energy Availability Factor Globale Daten zur Reaktorverfügbarkeit. Abgerufen am 16. Juli 2026.
  4. Entscheidungsfaktor Netzreserve

    Der Ausfall eines Großreaktors betrifft das ganze Stromsystem

    Stromsysteme halten schnelle Reserven für den größten glaubhaften plötzlichen Ausfall vor. In einem Begleitdokument von 2013 leitete ENTSO-E den Referenzstörfall von 3.000 MW für Kontinentaleuropa aus zwei Kernkraftblöcken mit je 1.500 MW ab. Eine britische Studie von 2025 ermittelte für Hinkley Point C einen möglichen Ausfall von bis zu 1,8 GW, gegenüber 1,32 GW bei Sizewell B.

    Warum dies für Neubauten relevant ist

    Je größer ein einzelner Block ist, desto mehr Reserve muss das gesamte Stromsystem für seinen abrupten Ausfall bereithalten.

    Was zu berücksichtigen ist

    Das Problem betrifft nicht nur Kernkraft. Auch große Interkonnektoren und Offshore-Windanschlüsse können den größten Störfall bestimmen, und Batterien können schnelle Reserve liefern. Laufende Reaktoren tragen zudem rotierende Masse bei.

    Quellen (2)
    1. ENTSO-E, Supporting Document for the Network Code on Load-Frequency Control and Reserves (2013) PDF-S. 57 und 109–110 erläutern den Referenzstörfall von 3.000 MW und seine Herleitung aus zwei Kernkraftblöcken mit je 1.500 MW.
    2. Badesa, Matamala and Strbac, Energy Policy 196 (2025), 114379 Die britische Fallstudie vergleicht einen möglichen Ausfall von bis zu 1,8 GW bei Hinkley Point C mit 1,32 GW bei Sizewell B.
  5. Entscheidungsfaktor Kühlwasser

    Reaktorkühlung belastet Flüsse und Wasserlebewesen

    Eine NREL-Auswertung zeigt, dass das Kühlsystem wichtiger sein kann als der Brennstoff. Durchlaufkühlungen entnehmen je Stromeinheit 10- bis 100-mal mehr Wasser als Kreislaufsysteme, während Kreislaufsysteme mindestens doppelt so viel verbrauchen. Laut U.S. EPA können Einlaufbauwerke Fische, Muscheln und deren Eier verletzen oder töten.

    Warum dies für Neubauten relevant ist

    Die Kühlbelastung eines Wärmekraftwerks entsteht während des Betriebs und wirkt vor Ort, auch wenn sein Strom CO₂-arm ist.

    Was zu berücksichtigen ist

    Entnahme ist nicht dasselbe wie Verbrauch: Das meiste Wasser einer Durchlaufkühlung fließt zurück. Meerwasser sowie Kreislauf- und Trockenkühlung können einzelne Folgen mindern, bringen aber andere Kosten, Wasserverluste und Leistungseinbußen mit sich.

    Quellen (2)
    1. NREL, A Review of Operational Water Consumption and Withdrawal Factors for Electricity Generating Technologies (2011) Zusammenfassung und S. 7–14 unterscheiden Wasserentnahme und -verbrauch und vergleichen Kühlsysteme.
    2. U.S. EPA, Cooling Water Intakes Erläutert, wie Fische, Muscheln und Eier an Kühlwassereinläufen eingezogen oder gegen Rechen gedrückt werden.
  6. Entscheidungsfaktor Importe

    Kernenergie beendet die Importabhängigkeit nicht

    Ein Reaktor benötigt keine Gaspipeline, ist aber weiterhin auf Uran sowie Dienstleistungen für Konversion, Anreicherung und Brennstofffertigung angewiesen. 2025 stammten etwa 16 % des Urans, 24 % der Konversionsdienstleistungen und 23 % der Anreicherungsdienstleistungen für Versorgungsunternehmen in der EU aus Russland.

    Warum dies für Neubauten relevant ist

    Ein im Inland gebauter Reaktor ist nicht mit einer inländischen Brennstoffversorgung gleichzusetzen.

    Was zu berücksichtigen ist

    Uran ist kompakt und lässt sich leicht bevorraten, das Risiko ist daher nicht mit dem von importiertem Gas gleichzusetzen. Ende 2025 verfügten die Versorgungsunternehmen in der EU im Durchschnitt über Bestände für mehr als drei Neubeladungen von Reaktoren. Kanada war der größte Uranlieferant.

    Quellen (2)
    1. Euratom Supply Agency, Market Observatory (2025 data) Herkunft des Urans in der EU, Schwachstellen bei Konversion, Anreicherung und Brennstofffertigung sowie Bestände der Versorgungsunternehmen. Abgerufen am 16. Juli 2026.
    2. IEA, The Path to a New Era for Nuclear Energy (2025) Die Zusammenfassung behandelt Finanzierung, Umsetzungsrisiken, die Konzentration im Brennstoffkreislauf und an Bedingungen geknüpfte SMR-Szenarien.
  7. Entscheidungsfaktor Uranbergbau

    Uranabbau hinterlässt langlebige Rückstände

    Laut IAEA können Uran-Tailings bis zu 85 % der ursprünglichen Radioaktivität des Erzes sowie Schwermetalle und weitere potenziell schädliche Stoffe enthalten. Eine gemeinsame Studie zu Uranbergleuten in Nordamerika und Europa fand eine erhöhte Lungenkrebssterblichkeit. Bei ab 1965 eingestellten Beschäftigten war der Überschuss geringer.

    Warum dies für Neubauten relevant ist

    Der Brennstoffkreislauf verlagert einen Teil der Umwelt- und beruflichen Gesundheitsbelastung weg vom Kraftwerksstandort.

    Was zu berücksichtigen ist

    Ein großer Teil der Gesundheitsdaten spiegelt historische Arbeitsbedingungen wider. Moderne Belüftung, Expositionsmessung, abgedichtete Anlagen und strengere Aufsicht können das Risiko deutlich senken. Die Rückstände müssen dennoch langfristig eingeschlossen werden.

    Quellen (2)
    1. IAEA, Occupational Radiation Protection in the Uranium Mining and Processing Industry (2020) Abschnitt 6.9, S. 101–102, behandelt Radioaktivität, Schwermetalle, chemische Gefahren und den langfristigen Einschluss von Tailings.
    2. Richardson et al., Mortality among uranium miners in North America and Europe, International Journal of Epidemiology (2021) Zusammenfassung und Tabelle 3 berichten Sterblichkeitsmuster gemeinsamer Bergarbeiterkohorten, darunter den geringeren Lungenkrebsüberschuss bei später Eingestellten.
  8. Entscheidungsfaktor Sicherheit

    Krieg schafft Gefahren, die Jahrzehnte fortbestehen

    Krieg kann Stromleitungen beschädigen, Stromversorgung und Kühlung unterbrechen, Wartungsarbeiten einschränken und das Personal extrem belasten. Im Februar 2026 berichtete die IAEA über zwei weitere vollständige Ausfälle der externen Stromversorgung in Saporischschja. Anreicherung und Wiederaufarbeitung geben gesonderten Anlass zur Sorge, da beide proliferationsrelevant sind.

    Warum dies für Neubauten relevant ist

    Ein Reaktor und seine abgebrannten Brennelemente müssen jahrzehntelang geschützt werden, auch bei abgeschaltetem Reaktor, politischer Instabilität und Krieg.

    Was zu berücksichtigen ist

    Ein Reaktor kann nicht wie eine Atombombe explodieren, und ein Angriff führt nicht automatisch zu einer Kernschmelze. Der zivile Betrieb ist kein Waffenprogramm. Internationale Sicherungsmaßnahmen sollen die friedliche Nutzung verifizieren.

    Quellen (3)
    1. IAEA, Nuclear Safety, Security and Safeguards in Ukraine, GOV/2026/7 PDF, S. 6, Absatz 14, dokumentiert zwei vollständige Verluste der externen Stromversorgung in Saporischschja am 6. und 13. Dezember 2025.
    2. IAEA, Technical Features to Enhance Proliferation Resistance of Nuclear Energy Systems (2010) Abschnitt 2, gedruckte S. 7 (PDF-S. 17), erläutert, warum Anlagen oder Technologien zur Anreicherung und zivilen Wiederaufarbeitung proliferationsrelevant sind.
    3. IAEA, Safeguards and Verification Erläutert, wie internationale Sicherungsmaßnahmen überprüfen, dass Kernmaterial und Kerntechnik weiterhin friedlich genutzt werden.
  9. Entscheidungsfaktor Unfälle

    Seltene Unfälle können ganze Regionen treffen

    UNSCEAR dokumentierte nach Fukushima etwa 118 Tausend Evakuierte. Darin sind auch Menschen enthalten, die aus anderen Gründen als dem nuklearen Notfall flohen. Laut WHO gab es durch Strahlenexposition keine akuten Strahlenschäden oder Todesfälle. Evakuierung und Umsiedlung hatten jedoch weitreichende soziale, wirtschaftliche und gesundheitliche Folgen.

    Warum dies für Neubauten relevant ist

    Auch bei geringer Wahrscheinlichkeit können Evakuierung, verlorene Heimat, Sanierung und Entschädigung Menschen weit über den Standort hinaus jahrelang betreffen.

    Was zu berücksichtigen ist

    Aus Fukushima lässt sich die Unfallwahrscheinlichkeit eines modernen Reaktors nicht ableiten. Sie hängt von Bauart, Standort, Betrieb und Notfallvorsorge ab. Die Belege stützen keine Behauptung massenhafter Strahlentoter in Fukushima.

    Quellen (2)
    1. UNSCEAR 2013 Report, Volume I, Scientific Annex A Wissenschaftlicher Anhang A, Absatz 76, dokumentiert vorsorgliche und gezielte Evakuierungen und erläutert die ungefähre Gesamtzahl.
    2. WHO, Health consequences of the Fukushima nuclear accident (2016) Der Abschnitt zur öffentlichen Gesundheit unterscheidet Strahlenfolgen von den sozialen und gesundheitlichen Folgen der Evakuierung und Umsiedlung.
  10. Entscheidungsfaktor Haftung

    Das volle Unfallrisiko steht nicht in der Versicherungspolice

    Das revidierte Pariser Übereinkommen setzt die Mindesthaftung des Betreibers auf 700 Millionen Euro. Im Brüsseler System ergänzen öffentliche Mittel die verfügbare Entschädigung auf mindestens 1,5 Milliarden Euro. Nach den aktuellen deutschen Regeln beträgt die vorgeschriebene Deckungsvorsorge bis zu 2,5 Milliarden Euro.

    Warum dies für Neubauten relevant ist

    Die vorab abgesicherte Summe ist nicht dasselbe wie der mögliche finanzielle Schaden eines schweren regionalen Unfalls. Staat und Gesellschaft behalten einen Teil des Risikos.

    Was zu berücksichtigen ist

    Die Regeln unterscheiden sich je nach Staat, und 700 Millionen Euro sind ein Mindestwert statt einer allgemeinen Obergrenze. Die gebündelte verschuldensunabhängige Haftung gibt Geschädigten einen klar bestimmten haftenden Betreiber. Staaten dürfen eine höhere Deckung verlangen.

    Quellen (2)
    1. OECD/NEA, New treaties to strengthen rights of people affected by nuclear accidents (2022) Erläutert die Betreiber-Mindesthaftung von 700 Millionen Euro und die öffentlichen Stufen bis zu mindestens 1,5 Milliarden Euro verfügbarer Entschädigung.
    2. German Federal Ministry of Justice, Section 9 of the Nuclear Financial Security Ordinance § 9 setzt die vorgeschriebene Deckungsvorsorge für Reaktoren auf höchstens 2,5 Milliarden Euro fest.
  11. Entscheidungsfaktor Abfall und Rückbau

    Abfall und Rückbau überdauern den Reaktor

    Die IAEA berichtete 2024, dass weltweit kein geologisches Endlager für hochradioaktive Abfälle oder abgebrannte Brennelemente in Betrieb war. Im März 2026 wurde die Betriebsgenehmigung für die Anlagen von Posiva in Olkiluoto, Finnland, weiterhin geprüft.

    Bei drei EU-Rückbauprogrammen für ältere, vorzeitig stillgelegte Reaktoren stiegen die Kostenschätzungen laut Europäischem Rechnungshof um 40 %, von 4,1 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 5,7 Milliarden Euro im Jahr 2015. Vor der Endlagerung blieb eine Finanzierungslücke von 1,7 Milliarden Euro.

    Warum dies für Neubauten relevant ist

    Ein Neubau schafft Pflichten, die weiterbestehen, wenn der Reaktor kein Geld mehr verdient. Fonds und Institutionen müssen deshalb über Jahrzehnte ausreichen.

    Was zu berücksichtigen ist

    Die geologische Tiefenlagerung ist wissenschaftlich gut begründet, und gut gestaltete Fonds können spätere Kosten einpreisen. Die geprüften Reaktoren waren ungewöhnliche Altprojekte und keine Prognose für jede moderne Anlage. Endlager müssen dennoch genehmigt, gebaut und betrieben werden.

    Quellen (4)
    1. IAEA, Roadmap for Implementing a Geological Disposal Programme (2024) Abschnitt 1.1, gedruckte S. 2 (PDF-S. 12), stellt fest, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung kein geologisches Endlager für hochradioaktive Abfälle einschließlich abgebrannter Brennelemente in Betrieb war.
    2. STUK, Finland’s national-report questions and answers (2026) Artikel 19, Fundstelle 125 (PDF-S. 4), besagt, dass die Betriebsgenehmigung für die Anlagen von Posiva in Olkiluoto geprüft wurde.
    3. U.S. NRC, Backgrounder on Radioactive Waste Definiert abgebrannte Brennelemente aus Reaktoren und hochradioaktive Abfälle und beschreibt deren derzeitigen Umgang.
    4. European Court of Auditors, EU nuclear decommissioning assistance programmes (2016) Absätze 72–85 und 113–115 dokumentieren geänderte Kostenschätzungen und die Finanzierungslücke ohne Endlagerung.
  12. Entscheidungsfaktor Kleine Reaktoren

    SMR haben sich im großen Maßstab noch nicht bewährt

    SMR sind bereits in Russland und China in Betrieb. Was fehlt, ist eine Reihe wiederholbarer Projekte zu wettbewerbsfähigen Preisen. Die versprochenen Einsparungen setzen standardisierte Entwürfe, Serienfertigung und ein großes Auftragsvolumen voraus. Zugleich verlieren kleinere Reaktoren einen Teil der Größenvorteile.

    Warum dies für Neubauten relevant ist

    Regierungen sollten SMR anhand abgeschlossener Projekte beurteilen, nicht anhand von Einsparungen, die weiterhin von Massenproduktion und künftigen Kostensenkungen abhängen.

    Was zu berücksichtigen ist

    Kleinere Projekte lassen sich möglicherweise leichter finanzieren und könnten sinnvolle Aufgaben übernehmen. Die weitergehenden Szenarien der IEA setzen staatliche Unterstützung, schnellere Genehmigungsverfahren, erfolgreiche Umsetzung und erhebliche Kostensenkungen voraus.

    Quellen (3)
    1. IPCC AR6 WGIII, Chapter 6: Energy Systems Abschnitt 6.4.2.4 behandelt Bauzeiten, Kosten- und Terminüberschreitungen, Anfangsinvestitionen und regionale Gegenbeispiele.
    2. IAEA Expands Global Initiative to Boost Knowledge of Small Modular Reactors (4 August 2025) Berichtet über die weltweite Entwicklung von SMR, einschließlich in Betrieb befindlicher Anlagen in China und Russland.
    3. IEA, The Path to a New Era for Nuclear Energy (2025) Die Zusammenfassung behandelt Finanzierung, Umsetzungsrisiken, die Konzentration im Brennstoffkreislauf und an Bedingungen geknüpfte SMR-Szenarien.

Unsere Arbeitsweise

Wir halten es für falsch, neue Reaktoren in Europa zu einer Priorität des Klimaschutzes zu machen. Dabei erkennen wir an, dass Kernenergie über ihren gesamten Lebenszyklus geringe Emissionen verursacht und dass sich der Weiterbetrieb mancher Anlagen lohnt. Jedes Argument verweist auf die zugrunde liegenden Belege, nennt Ort und Zeitraum und erklärt unsere Schlussfolgerung. Wir führen auch Fakten an, die gegen unsere Position sprechen. Bitte sagen Sie uns Bescheid, wenn eine Quelle falsch oder veraltet ist.